- Ernährungsfehler
Der Vollständigkeit halber erwähnt, könnte Katarakt durch einen Mangel an essentiellen
Aminosäuren, Vitaminen oder Kalzium zurück zu führen sein. Dies ist aber sehr
selten. Allerdings wurde bei Hunden und Wölfen berichtet, dass bei der Aufzucht
mutterloser Welpen mit kommerziellem Milch- austauscher gering bis hochgradige
Katarakte beobachtet werden konnten.
- Katarakt als Folge anderer Augenerkrankungen
Als Folge einer anderen Augenkrankheit (Glaukom, MPP, Linsenluxation, Persistierende
Arteria Hyaloidea, Linsen- kolombom) kann eine Trübung auftreten. Diese werden
als konsekutive oder sekundäre Katarakt bezeichnet. Katarakt wurde auch im Zusammenhang
mit PRA beobachtet. Allerdings konnte nicht erwiesen werden, ob eine gemein- same
genetische Ursache vorliegt, oder die PRA den Katarakt durch biochemische Prozesse
hervorruft.

Therapie
Leider sind bislang keine Medikamente bekannt, die den Katarakt wirksam revidieren
oder ein Forschreiten verhindern könnten. Die beste Therapie ist die Operation
(analog zum Menschen). Die Operationsmethode nennt sich
„Phakoemulsifikation“. Damit bezeichnet man die ultraschall- gestützte Zertrümmerung
der kataraktösen Linse, die dann gleichzeitig abgesaugt wird.
Allerdings ist nicht jeder Katarakt operationsfähig.
Verschiedene Untersuchungen klären die günstigen oder ungünstigen Prognosen im
Vorfeld ab.
Heriditärer Katarakt - die Vererbung:
Laut Schlegler/Stur dürfte die genetische Grundlage eine polygen bedingte Disposition
zu Ernährungsstörungen der Linse mit anschließender Trübung sein. Malcolm B. Willis
beschreibt den Erbgang bei Lichtundurchlässigkeit der Linsen ab dem Welpenalter
als autosomal-rezessiv; den Erbgang des Kataraktes, der erst später auftritt (Altersstar)
als unklar, jedoch möglicherweise dominant.
Beuing benennt als typische erbliche Form den „Polstar“ bzw. „Nahtstar“, der in
starken Ausprägungsformen bis zur vollständigen Linsentrübung fortschreiten kann.
Anhand von Studien kommt er zu dem Ergebnis, dass es sich beim Siberian Husky
um eine Mutation mit rezessiver Vererbung handeln muß. Das bedeutet, dass die
defekten bzw. mutierten Gene verdeckt weitergegeben werden können. Allerdings
müssen beide Elterntiere jeweils Träger dieser mutierten Gene sein, damit im Nachkommen
keine intakte Erbinformation mehr vorliegt und es zur Störung im bereits angesprochenen
Stoffwechsel kommt.
Beuing errechnet nach Routineuntersuchungen von 1749 Siberian Huskies, wovon bei
4,45 % Katarakt diagnostiziert wurden, eine Gensequenz von 20%. (Er gibt in seinen
Ausführungen nicht an, ob zwischen kongenital und nicht kongenital unterschieden
wurde). Die Wahrscheinlichkeit, dass bei Rüde und Hündin jeweils das Defektgen
vorliegt und bei der Befruchtung kombiniert wird, liegt demnach bei 4%.
Diese Routineuntersuchungen wurden (wie bekannt) nur bei zur Zucht vorgesehen
bzw. vorselektierten Siberian Huskys durchgeführt. Ob die Zahlen bei einer willkürlichen
Auswahl in der Gesamtpopulation der Siberian Huskys dieselben gewesen wären, lässt
sich nicht nachvollziehen.
Fakt ist jedoch, dass eine Selektion bei der man einfach die betroffenen Hunde
von der Zucht ausschließt bei einer Gensequenz von 20% praktisch wirkungslos ist.
Beuing erstellt daher einen Zuchtplan zur züchterischen Be- kämpfung von erblichen
Katarakt. Anhand der Ermittlung von sogenannten „P-Werten“ soll die Wahrscheinlichkeit
ange- geben werden, mit der das Elterntier das mutierte Gen trägt.
Leider waren die "anderen" SH-Zuchtvereine in Deutschland, Österreich
und der Schweiz nicht bereit die Unter- suchungs-Zahlen der vergangenen Jahre
an mich bekannt zu geben, so dass ich in dieser Zuchtwartarbeit keinen Trend (positiv,
stagnierend oder negativ) der Befallsquote seit Einführung der P-Wert-Berechnung
ermitteln konnte.
Interne Untersuchungen im SHC
Im Jahre 2001 führte der
SHC
im Rahmen einer
Unter- suchung zum Vorkommen und Ausmaß
erblicher Augen- erkrankungen im SHC ein Losverfahren durch. 91
Züchter und Besitzer wurden gebeten, insgesamt 144 Hunde auf Kosten des SHC untersuchen
zu lassen.
142 Auswertungen konnten schließlich
verzeichnet werden. Es wurden zwei Altersgruppen vorgegeben: 1-2jährige und 5-7jährige
Hunde.
Die genauen Auswertungsdaten dieser Studie sind im SHC- Aktuell Nr. 12 (Februar
2002) veröffentlicht.
Von den untersuchten 142 Hunden wurde ein Katarakt bei 7 Hunden diagnostiziert.
Dies entspricht genau 4,9%. Vier weitere Hunde aus der Gruppe der 1-2jährigen
wurden mit „vorläufig nicht frei“ befundet.
Im Jahre 2004 wurde bei der Mitgliederversammlung die neue Zuchtzulassungs- und
Zuchtordnung verabschiedet. Ab dem 01.01.2005 ist die Augenuntersuchung inklusive
Gonioskopie somit ein obligater Bestandteil zur Zucht- zulassung.
Im Vorfeld ließen einige Züchter ihre Hunde vor Inkrafttreten dieser Regelung
untersuchen. Im Jahre 2003 erhielt der SHC gesamt 56 AKVO-Bögen von DOK-Ärzten.
Von diesen 56 Hunden wurde nur 1 Hund mit Katarakt befundet, 48 Hunde wiesen keinen
Befund auf, der Rest verteilt sich auf nicht zuchtausschließende Anomalien.
(z. B. 1x Goniosdysplasie, 3x Goniosdysplasie zweifelhaft)
Im Jahre 2004 wurden 105 Hunde untersucht. Ab diesem Jahr wurde bereits teilweise
unterschieden zwischen Katarakt kongenital und nicht kongenital. Von den 105 Hunden
erhielten 5 den Befund Katarakt II (nicht kongenital) und 1 Hund den Befund Katarakt
ohne Unterscheidung. Gesamt also 6 Hunde von 105. Angestiegen war in diesem Jahr
die Zahl der Goniosdysplasie-Befunde mit 27 Fällen.